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Integriertes Vorreiterkonzept LK Mayen-Koblenz

Integriertes Vorreiterkonzept LK Mayen-Koblenz



Projektbeschreibung

Der Landkreis Mayen-Koblenz hat mit einem mutigen, aber notwendigen Beschluss vom 9. Juni 2022 ein klares Signal gesetzt: Er möchte bis spätestens 2040 die Klimaneutralität erlangen. Für das Erreichen dieses ambitionierten Ziels wurde das Förderprogramm der Kommunalrichtlinie genutzt und die Erstellung eines Integrierten Vorreiterkonzeptes in Auftrag gegeben. Unterstützt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und der Nationalen Klimaschutzinitiative lag der Eigenanteil der Gesamtkosten des Projekts bei lediglich 30% für den Landkreis. Ausgeführt wurde das Integrierte Vorreiterkonzept von der Transferstelle Energie (damals noch Transferstelle Bingen) in Zusammenarbeit mit der Sweco GmbH, Standort Koblenz.

Das Ziel des Vorreiterkonzeptes ist, wie es der Name schon preisgibt, ein Vorreiter zu sein. Somit ist Mayen-Koblenz der erste Landkreis in Rheinland-Pfalz, der ein Strategiepapier besitzt, welches den Weg zur Klimaneutralität aufzeigt: Diese soll, mit den darin enthaltenen Maßnahmen, bis 2040 auf Kreisebene, bis 2035 sogar schon für die Verwaltung, erreicht werden. Somit sind dies fünf Jahre vor dem festgelegten Ziel auf Bundesebene und eine Zielebene, die konform mit den rheinland-pfälzischen Klimaschutzzielen ist. Das Vorreiterkonzept geht damit vom Ziel aus und stellt somit einen wesentlich ambitionierteren Plan dar, als es das integrierte Klimaschutzkonzept von 2016 (ebenfalls von der TSE und Sweco GmbH erstellt) getan hat

Für das Konzept wurde zunächst eine umfangreiche Bilanzierung des Endenergieverbrauchs und Treibhausgasemissionen (nach BISKO-Standard) auf Kreisebene, anschließend explizit für die Kreisverwaltung durchgeführt. Im Anschluss daran wurden die Potentiale ermittelt u.a. im Bereich der Energieeinsparung oder im Ausbau von Erneuerbaren Energien.

Ziel / Ergebnis

Damit die ermittelten Potentiale umgesetzt werden können wurden für verschiedene Handlungsfelder Maßnahmen ausgearbeitet und zu einem Katalog zusammengefasst. Zudem wurden während der gesamten Bearbeitungsphase verschiedene Workshops mit lokalen Akteuren und öffentliche Veranstaltungen durchgeführt, um die Bürger:innen einzubinden und die Vernetzung zu fördern.

Die ausgearbeiteten Maßnahmen decken alle zentralen Sektoren ab und bilden eine umfassende Basis für die Klimaschutzziele des Landkreises:

Der Fokus im Bereich Strom liegt auf dem Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere durch Photovoltaik-Dachanlagen, Windkraftgebiete und Bürgerbeteiligungsmodelle. Diese Maßnahmen können effizient zur Dekarbonisierung der Stromerzeugung beitragen. Sie sind jedoch stark abhängig von der Kooperationsbereitschaft der Städte und Gemeinden, wie auch der Akzeptanz der Bevölkerung.

Im Sektor Haushalte wird angepeilt, die Sanierungsquote durch Beratungsangebote und Fördermittelakquise zu erhöhen. Die Bürger:innen sollen noch umfangreicher als heute schon in Themen rund um die Energiewende informiert und bei der Umsetzung diverser Maßnahmen unterstützt werden.

Maßnahmen im Gewerbe- und Industriesektor zielen u.a. auf einen Industrie-Stammtisch und das Programm ÖKOPROFIT ab, um den effizienten Umgang mit Ressourcen und den Wissenstransfer verbessern.

Im Sektor Verkehr stehen die Elektrifizierung, der Ausbau der Ladeinfrastruktur und alternative Mobilitätsformen im Mittelpunkt. Geplante Maßnahmen wie die Umstellung von Fuhrparks der Städte- und Gemeinden sowie neue Mobilitätskonzepte können weitere Emissionen reduzieren.

Bei vielen Vorhaben kann der Landkreis die wichtige Rolle der Koordinierung übernehmen, wie z.B. bei der kommunalen Wärmeplanung oder der Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs. Eine direkte Umsetzung ist hierbei jedoch nicht möglich, deshalb sind verbindliche Absprachen und gemeinsame Zielsetzungen notwendig.

Für das ambitionierte Ziel der Klimaneutralen Verwaltung bis 2035 hat sich ergeben, dass diese durchaus möglich sein kann. Folgende Maßnahmen sind u.a. erforderlich, damit die Kreisverwaltung die Vorreiterrolle einnehmen kann:

  • Sofortiger Stopp neuer Investitionen in fossile Heiz- und Mobilitätslösungen (z. B. Heizöl-, Erdgasheizungen sowie Benzin- oder Dieselautos).
  • Fokus auf die schnell umsetzbaren, wirkungsvollsten Maßnahmen mit dem größten potenziellen Emissionsrückgang, im Anschluss deren Multiplikation.
  • Priorisierung von Maßnahmen mit hohem Emissionsminderungspotenzial und möglichst geringem personellen Aufwand.
  • Wärme-Strategie: Von der herkömmlichen Energieberatung abweichend, zuerst raschen Umstieg eines großen Anteils des Wärmebedarfs auf erneuerbare Energien – beispielsweise durch Beistell-Wärmepumpen – anschließend eine ganzheitliche energetische Sanierung der Liegenschaften, um die Wärmeerzeugung langfristig auf 100 % erneuerbare Energien umzustellen.
  • Strom-Strategie: Verstärkter Ausbau der PV-Erzeugung – bevorzugt auf kreiseigenen Dachflächen (ggf. zusätzlich auf weiteren Flächen wie z.B. Pausenhof-Überdachungen oder Parkplätzen); Überschussstrom zur bilanziellen Kompensation verbleibender Emissionen nutzen.
  • Mobilität-Strategie: Fortführung des Umstiegs der kreiseigenen Fahrzeugflotte auf batterieelektrische Antriebe sowie Vermeidung oder Verlagerung von Dienstfahrten auf klimafreundliche Alternativen; Mitarbeitende beim Umstieg auf umweltfreundliche Pendelwege (Rad, Fuß, ÖPNV) unterstützen und fördern.


Fazit

Die globale Erwärmung stellt eine der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts dar. Der bevölkerungsreichste Landkreis in Rheinland-Pfalz kann daraufhin mit dem Integrierten Vorreiterkonzept eine Vielzahl von Lösungsansätzen bieten. Das Konzept zeigt auch, dass wirksamer Klimaschutz und wirtschaftliche Prosperität keine Gegensätze sein müssen. Im Gegenteil: Eine nachhaltige Energieversorgung schafft Unabhängigkeit von volatilen Energiemärkten, stärkt die regionale Wertschöpfung und eröffnet neue Chancen für Innovation und Beschäftigung in der Region.


Für diesen hier vorliegenden Text wurde sich an der Beitragsseite  Klimaneutraler LK Mayen-Koblenz orientiert. 



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